Spezielle Krebsvorsorge

 

Brief vom Frauenarzt

 

Haben Sie von Ihrem Frauenarzt schon einmal ein Telefonat bzw. einen Brief erhalten, dass Sie sich erneut zu einem Muttermundabstrich einen Termin geben lassen sollten?

Folgender Brief könnte Ihnen zugesandt worden sein:

 

Sehr geehrte Patientin,

in Ihrem Zellabstrich, den ich bei Ihnen anlässlich Ihres Besuchs in meiner Sprechstunde entnommen habe, zeigten sich erfreulicherweise keine verdächtigen Zellen.

Der Zytologe (Spezialist für die Zelllehre) hat mich aber wegen leichter Zellschäden, die durch äußere Einwirkungen auf die Zellen entstanden sind, gebeten, sicherheitshalber einen Kontrollabstrich zu entnehmen.

Bitte vereinbaren Sie dafür mit uns einen Termin und fragen Sie dabei bitte meine Mitarbeiterinnen, ob vorher eine Lokalbehandlung mit Creme oder Scheidenzäpfchen erforderlich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Heilsam

 

Jetzt sind sie verunsichert. In den Briefen wird meistens von leichten Zellschäden gesprochen, welche durch einen Kontrollabstrich gesichert werden sollen. Ein solcher Brief bzw. ein Telefonat sollten Ihnen keine Angst einjagen!

 

 

Spezielle Krebsvorsorge (Zertifizierte Dysplasie-Sprechstunde)

 

Die spezielle Krebsvorsorge oder Dysplasiesprechstunde ist eine Spezialsprechstunde für Frauen mit Zellveränderungen und Hautveränderungen am Geschlechtsorgan. In dieser Sprechstunde ist genügend Zeit für alle Fragen und Untersuchungen, ohne den sonst üblichen Zeitdruck in der gynäkologischen Praxis.

Der Ablauf der Dysplasiesprechstunde ähnelt dem schon bekannten Krebsvorsorgeabstrich. Vor der Untersuchung wird ein ausführliches Gespräch stattfinden, wobei nach Beschwerden und Vorbefunden gefragt wird. Es folgt die Untersuchung auf dem gynäkologischen Stuhl. Als erstes werden die äußeren Genitalorgane betrachtet. Man achtet auf Veränderungen der Schleimhäute, wie nach Warzen, Entzündungen oder Bläschenbildung. Danach wird ein Scheidentrichter, Spekulum genannt, schmerzlos in die Scheide eingeführt. Unter mikroskopischer Vergrößerung (Kolposkopie) wird der Gebärmutterhals und das Scheideninnere betrachtet.

Danach wird auf die Muttermundoberfäche Essigsäure getupft. Mittels der Essigsäureprobe können Krebsvorstufen (Dysplasien) und Schleimhautveränderungen sichtbar gemacht werden. Hiernach betupft man den Muttermund mit Jod (= Schillersche Jodprobe). Gesundes Oberflächengewebe färbt sich dunkel (viel Glykogen), krankhafte Bezirke stellen sich hell dar (wenig Glykogen).

Die Grundlage dieses Nachweises ist die chemische Reaktion des im gesunden Zellgewebes enthaltenden Glykogen (Riesenmolekühl aus mehreren Tausend Zuckerbausteinen bestehend).

Es erfolgt die Entnahme des Krebsabstrichs, des Virusabstrichs, des Abstrichs für den immunhistologischen Marker p16 oder Abstriche auf spezielle Keime (Bakterien, Pilze, Chlamydien etc.). Abschließend wird durch Abtastung im Unterleib die Form, Größe und Beweglichkeit der Gebärmutter und der Eierstöcke beurteilt.

 

Anatomische Grundlagen

 

Gebärmutter

Public Domain Grafik

Die Gebärmutter kann vereinfacht in 2 Teile eingeteilt werden: die Gebärmutter und den Gebärmutterhals. Der Gebärmutterhals ragt in das Scheidengewölbe hinein, hier befindet sich der Muttermund. Der Muttermund ist der Eingang in die Gebärmutterhöhle. Bei einer "Krebsvorsorge" oder auch "Gebärmutterhalsabstrich" wird am Muttermund Zellgewebe, mit einer kleinen Bürste oder mit einem Spatel abgestrichen. Nach Aufbereitung wird das Präparat von einem Zytologen (Facharzt für Zellehre) begutachtet. Dieser kann nun gesunde von krankhaften Zellen bzw. entzündlichen Zellen unterscheiden.

Manchmal sind die Zellveränderungen harmloser Natur, es können sich aber auch Infektionen mit Bakterien und Viren verbergen. Um dies zu unterscheiden, müssen verschiedene Abstriche zu verschiedenen Zeitpunkten abgenommen werden.

Bei bakteriellen Infekten sollten antibiotische Scheidenzäpfchen angewendet werden. Ist eine Pilzinfektion vorhanden, dann sollte mit Antipilzsalben therapiert werden. Bei älteren Frauen muss auch manchmal eine Behandlung mit Östrogenzäpfchen stattfinden.

Häufig ist aber auch der HPV - Virus Ursache für die Zellveränderungen.

 
 
Zellveränderungen am Gebärmutterhals und Dysplasie

 

Definition und Ursache

 

Unter dem Begriff versteht man Hautveränderungen und Zellveränderungen am Gebärmutterhals, in der Scheide und des Scheideneinganges. Diese Veränderungen sind häufig durch ein Virus (HPV) verursacht und können Krebsvorstufen darstellen. Die Viren befallen die Schleimhäute indem sie sich in das Erbgut der Schleimhautzelle einbauen. Durch diese dauerhafte nun kranke Aktivität des Virus verursachen sie Schleimhautveränderungen. 

 

Symptome

 

Anfangs treten Juckreiz in der Scheide, Schmerzen und Scheidenentzündungen auf, die ähnlich einer Pilzinfektion verlaufen. Häufig sind ebenfalls die Kombination mit einer Pilzinfektion oder andere Bakterien. Nach einigen Tagen klingen die Symptome allmählich ab. Die Scheide kann trotzdem noch gerötet sein. Es können auch fast gar keine Symptome auftreten. Später bilden sich z.B. kleine Warzen.

 

Diagnose

 

Der Nachweis von Krebsvorstufen (Dysplasien) ist mittels der Abstrichuntersuchung möglich. Aus diesem Grund wird eine jährliche Vorsorgeuntersuchung empfohlen. Die so gewonnenen Zellen werden zur Sichtbarmachung angefärbt. Die Diagnose wird durch einen Abstrich bzw. eine Gewebeprobe und Betrachtung des Muttermundes (Kolposkopie) gesichert. Die Kolposkopie ist eine Untersuchungsmethode, die den Gebärmutterhals mit einem speziellen Mikroskop unter optimaler Beleuchtung mit Vergrößerung betrachtet. Hier kann bereits frühzeitig, mit speziellen Färbemethoden, der Muttermund auf krebsartige Vorstufen untersucht werden.

 

PAP-Klassen

 

Es erfolgt nun die Beurteilung der Zellveränderungen nach der Klassifikation. Häufig müssen nur destruktive Maßnahmen mittels des CO-2 Lasers durchgeführt werden. Es kommt aber auch manchmal zu einer Konisation (Entfernung des krankhaften Muttermundstückes).

Die Klassifikation erfolgt nach dem Namen des Erfinders. Sie heißt PAP Einteilung oder Einteilung nach Papanicolaou.

 

PAP I -  Normales Zellbild meist bei sexuell inaktiven Frauen:  Der Befund ist normal, es gibt keine Auffälligkeiten, Kontrolle nach einem Jahr (Krebsfrüherkennungsuntersuchung). 

 

PAP II - entzündliche u. meta-plastische Veränderungen bei sexuell aktiven Frauen: Die Zellveränderungen sind unverdächtig.

 

PAP III - schwere Zellveränderung: Der Befund ist unklar. Kontrollbedürftig.

 

PAP IIID - Zellen zeigen eine leichte bis mittelgradige Dysplasie: Der Befund ist unklar. Meist hängt dies mit einer Virusinfektion zusammen. Kontrolle nach 3 Monaten. Bei wiederholtem Auftreten Biopsie.

 

PAP IVa - Zellen mit schwerer Dysplasie: Feingewebliche Abklärung erforderlich, Carzinoma in situ (Krebsvorstufe)

 

PAP IVb - Frühstadium eines Krebses: Zellen eines bösartigen Krebses können nicht ausgeschlossen werden, histologische Abklärung mittels Konisation (Entfernung des krankhaften Muttermundstückes). Therapie nach Befund.

 

PAP V - Krebs: Zellen sind klar bösartig, Therapie: Gebärmutterentfernung

 

 

Therapien

 

Therapie von PAP IIID

 

Bei mehrmaligem Auftreten von PAP IIID wird eine Sanierung empfohlen. Diese erfolgt mittels Entfernung des erkrankten Gebärmutterhalsstückes.

 

Therapie von PAP IVa

 

Konisation. Hierbei wird der erkrankte Muttermundteil entfernt. Dabei wird ein konusförmiges Gebärmuttermundstück entfernt.

 

Therapie von PAP IVb

 

Konisation oder Gewinnung einer Gewebeprobe. Die Therapie richtet sich nach der Familienplanung des Patienten.

 

Therapie des Gebärmutterhalskrebses, PAP V

 

Entfernung der gesamten Gebärmutter inklusive des bindegewebigen Halteapparats (Scheidenmanschette und umliegende Lymphknoten). Diese Operation wird Wertheim Radikal Operation genannt. Manchmal ist zusätzlich eine Strahlentherapie und Chemotherapie erforderlich.

 

Weitere Informationen zum Gebärmutterhalskrebs.